Kaltenborn: "Ich bin ein wenig stolz darauf"

Monisha Kaltenborn hat Sauber

nach dem BMW-Ausstieg wieder erfolgreich gemacht

Für Sauber-Geschäftsführerin Monisha Kaltenborn ist die Premiere in Indien ein ganz besonderes Rennen. Als sie ein junges Mädchen war, übersiedelte sie mit ihren Eltern von Indien nach Österreich, wurde österreichische Staatsbürgerin und studierte Jus. Seit dem Jahr 1998 ist sie im Motorsport tätig. Kaltenborn arbeitete für die Fritz-Kaiser-Gruppe, die damals Anteilseigner beim Sauber-Team war.

Seit 2001 ist sie im Management des Rennstalls tätig. Nachdem sich BMW Ende 2009 zurückgezogen hatte, wurde die 40-Jährige Geschäftsführerin und half entscheidend bei der Neuausrichtung des Teams mit. "Es fühlt sich gut an und ich bin auch etwas stolz darauf. Ich habe auch viel dafür getan, um in diese Position zu kommen", wird Kaltenborn von 'CNN' zitiert. In einem noch immer von Männern dominierten Sport, ist Kaltenborn eine Vorreiterin. "Es ist sicherlich nicht leicht." Die grosse Härteprobe war die Umstrukturierung nach dem BMW-Aus. Es wurde erfolgreich bewältigt. "Das grösste Risiko ist, wenn die Mitarbeiter nicht die Zukunft des Teams sehen und das Team verlassen wollen. Wenn Schlüsselpersonen anfangen, das Team zu verlassen, dann kommt der komplette Prozess zum Stillstand. Man realisiert erst später, dass sich Unsicherheiten beim Personal auf die Entwicklung des Autos auswirken. Wir mussten sicherstellen, dass die Firma weiterläuft und wir die Finanzierung absichern."

Kaltenborn hat sich durchgesetzt und allgemein auch den Stand der Frauen in der Formel 1 erhöht. "Es gibt Menschen, nicht Teams, aber andere, speziell die Medien, die Frauen nie nach der Performance fragen würden. Die Fragen die ich bekomme, sind meistens allgemeiner Natur über die Firma, das Team und wie sich die Formel 1 entwickeln wird. Ich werde aber nie gefragt, wie das Rennen gelaufen ist und wie ich über die Fahrer denke", sagt Kaltenborn. "Das ändert sich aber jetzt. Es ist interessant zu sehen, wie sich die Leute daran gewöhnen, dass sie auch einer Frau diese Fragen stellen." Kaltenborn war übrigens die erste Frau, die an einer offiziellen FIA-Pressekonferenz teilgenommen hat.

Erst bei diesem Anlass haben viele Teamchefs realisiert, wie gross der Geschlechterunterschied in der Formel 1 ist. Die FIA hat deshalb im vergangenen Jahr eine Kommission für Frauen im Motorsport gegründet. Kaltenborn nimmt dort eine aktive Rolle ein. Für die breite Öffentlichkeit wird sich der Sport aber erst öffnen, wenn eine Frau aktiv in der Formel 1 fährt. "Wir sehen, dass viele junge Mädchen bis zu einem gewissen Alter in den Nachwuchsklassen aktiv sind. Aber dann hört das beim Schritt in die nächst höhere Kategorie auf. Viel hängt dabei auch vom sozialen Umfeld ab", findet Kaltenborn. "Aus körperlicher Sicht sehe ich keinen Grund, warum eine Frau nicht einen Formel-1-Boliden steuern kann."

28.10.2011