Übernimmt Genii Capital Lotus-Gruppe?

Gerard Lopez plant eine Übernahme

des Sportwagenherstellers Lotus

Die Lotus-Gruppe, derzeit Hauptsponsor des Renault-Teams, besitzt bereits seit Monaten die Option, Anteile am britischen Rennstall zu übernehmen. Dieser liegt seit dem werksseitigen Ausstieg des gleichnamigen Automobilherstellers zu 100 Prozent in den Händen der Investmentgesellschaft Genii Capital. Doch nun könnte alles ganz anders kommen als vermutet.

Denn laut zuverlässigen Informationen wird sich nicht die Lotus-Gruppe ins Genii-Team einkaufen, sondern Genii plant eine Übernahme von Anteilen der Lotus-Gruppe. Offenbar wurde Genii-Chef Gerard Lopez bereits Anfang dieser Woche in den Vorstand der Lotus-Gruppe berufen - dem Hörensagen nach wird er künftig Vorgesetzter von Geschäftsführer Dany Bahar sein. Die Lotus-Gruppe ist 2010 als Lizenzgeber (Lotus Racing) von Tony Fernandes' Rennstall in die Formel 1 eingestiegen. Ende 2010 wurde die Lizenzvereinbarung aufgelöst und Fernandes sicherte sich stattdessen von David Hunt die Namensrechte an der ursprünglichen Formel-1-Marke von Colin Chapman, Team Lotus. Die Lotus-Gruppe wechselte indes als Hauptsponsor zu Renault.

Doch weil Renault werksseitig nicht mehr vertreten ist und als Motorenhersteller derzeit aufgrund des dortigen Erfolgs vor allem auf Red Bull setzt, ist das Genii/Renault-Team in eine Identitätskrise geraten. Eine Umbenennung in Lotus würde daher Sinn machen, zumal Fernandes bereits signalisiert hat, dass er sich von Lotus in Caterham umbenennen wird. Die Lotus-Gruppe befindet sich seit 1996 unter der Kontrolle des staatlichen Automobilherstellers Proton aus Malaysia. Bahars mutige Wiederbelebung der Marke Lotus Cars in den vergangenen Jahren hat Unsummen verschlungen - möglicherweise ein Motiv für Proton, einen grossen Kostenfaktor loszuwerden, indem man jetzt für gutes Geld verkauft.

Eine Übernahme der Lotus-Gruppe und eine gleichzeitige Umbenennung des Formel-1-Teams von Renault in Lotus würde die Identitätskrise von Genii in der Formel 1 lösen. Bestätigt ist die Transaktion aber noch nicht - laut Informationen findet hinter den Kulissen gerade eine intensive Finanzprüfung der Lotus-Gruppe statt, von der der Deal letztendlich abhängt. Auf telefonische Anfrage war heute kein Sprecher der Lotus-Gruppe erreichbar. Zusammenpassen würden die beiden Unternehmen aber auf jeden Fall, schliesslich arbeiten die Lotus-Gruppe und der Automotiv-Arm von Genii im Elektronikbereich schon seit langer Zeit zusammen. Eine Vertiefung bisheriger Synergien würde auch aus diesem Grund durchaus Sinn machen.

7.10.2011